Erfolg
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Geld macht nicht glücklich?
Sehr geehrte Damen und Herren,
Vor etwas mehr als drei Monaten ist mein drittes Finanzbuch Endlich gut mit Geld erschienen. Das Buch ist so ausgelegt, dass die Leser:innen 12 Wochen lang täglich kleine Portionen lesen und so Stück für Stück ihren Umgang mit Geld weiterentwickeln: Im Sinne des Buchs (endlich) gut mit Geld zu werden. Falls Sie das Buch nach Erscheinen erworben haben und sich an den Zeitplan des 12-Wochen-Kurses gehalten haben, dann müssten Sie jetzt eigentlich fertig sein.
Wenn das so ist, dann schreiben Sie mir bitte an nachdenken@neunundvierzig.com, was Ihnen gefallen hat und was Sie vermisst haben, wo Sie mir zustimmen oder entschieden widersprechen. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Rückmeldungen.
Heute möchte ich mit Ihnen noch einmal einer der wichtigsten Fragen des Buches nachgehen, nämlich der Frage, ob – oder besser, wie – Geld glücklich macht:
Wie es das Sprichwort sagt: Geld (allein) macht nicht glücklich. Doch ich bin überzeugt, dass Geld viel zu einem glücklichen Leben beitragen kann, wenn Sie es gezielt einsetzen.
Geld – klug verstanden – ist immer Mittel zum Zweck, und der übergeordnete Zweck von allem ist ein erfülltes Leben, oder: Lebensqualität. Dafür wünsche ich mir, dass Menschen Gelassenheit in ihrem Umgang mit Geld entwickeln, anstatt in eine vermeidende Haltung oder eine panische Überfokussierung auf Geld zu verfallen. Geld soll Spielräume schaffen für persönliche Entwicklung, gemeinsame Erlebnisse oder andere Dinge, die Sie glücklich machen. Und schließlich ist Geld nichts anderes als geronnene Zeit: Nutzen Sie Geld als Mittel, um Zeit zur freieren Verfügung zu erhalten sowie diese Zeit bewusster und selbstbestimmter zu gestalten.
Was heißt das konkret? Dazu möchte ich Ihnen drei zugespitzte Thesen vorstellen, die auf meinem Fazit in Endlich gut mit Geld basieren.
Geld kann Beziehungen stärken
Kennen Sie den Unternehmer, der sich so sehr mit seiner Arbeit beschäftigt, dass er Sozialleben und Familie vernachlässigt? Oder den Patriarchen, der Geld nutzt, um seine Familienmitglieder zu kontrollieren? Zerreißen Geldsorgen und Geld als Machtinstrument nicht ganze Familien?
Ja, Geld kann als Mittel oder schlecht verstandenes Ziel Beziehungen beschädigen. Aber wenn Sie den Blick darauf richten, wozu Sie Geld einsetzen können, eröffnen sich Möglichkeiten. Und dabei hilft es, dass Sie Geld nicht nur in Güter oder Dienstleistungen, sondern auch in (freie) Zeit und damit Spielräume konvertieren können, die Ihre Beziehungen stärken.
Das können Besuche im Theater, im Restaurant oder im Freizeitpark sowie – mein persönlicher Favorit – längere Urlaube mit geliebten Menschen sein. Schon das Bewusstsein, die eigenen und gemeinsamen Finanzen im Griff zu haben, zahlt auf die Qualität des Zusammenlebens ein. Dabei helfen Gespräche über Geld, denn ein gutes Gespräch über Geld ist immer auch ein Gespräch auf sehr tiefer Ebene über Ihr Leben. Probieren Sie es mit diesem Bogen aus, den Sie über unseren Blog aufrufen können.
Streben Sie auf der Arbeit weder nach Geld noch nach frühem Ruhestand
Wie bitte? Es soll bei Arbeit nicht um Gehalt gehen? Und warum soll ein früher Ruhestand schlecht sein, wenn ich doch sonst immer davon schreibe, Sie sollen Geld großzügig in Zeit konvertieren?
Worum es mir geht, ist kein absolutes Ziel, sondern eine Haltung, unter der Sie Ihre Arbeit im besten Fall verstehen. Menschen, die einer Tätigkeit nachgehen, die sie intrinsisch motiviert und erfüllt, sind wesentlich glücklicher. Das soll kein „Wünsch dir was“ sein, sondern eine Leitlinie, an der Sie Ihre Entscheidungen orientieren können.
Diese Idealvorstellung beschreibt für mich das japanische Wort „Ikigai“: Am besten gehen Sie einer Tätigkeit nach, die Sie mögen, in der Sie wirklich gut sind, mit der Sie ausreichend Geld verdienen und einen positiven Einfluss auf andere Menschen und die Gesellschaft ausüben. Diese vier Aspekte zu kombinieren ist sicherlich nicht leicht. Aber ist es nicht wert, es zumindest zu probieren?
Geld kann helfen, Sinn zu stiften
„Du kannst nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen“: Stehen Sinn und Spiritualität nicht Geld entgegen, gerade in einer kapitalistischen Gesellschaft?
„Geld verdirbt den Charakter“: Hat Geld nicht eine zutiefst verderbliche Wirkung, da es Moral und Anstand ersetzt?
Hinter solchen Gedanken und Glaubenssätzen steht meist mehr als nur ein Stück Wahrheit. Zumindest sensibilisieren sie dafür, dass Geld kein Selbstzweck ist. Wenn die einzige Geldfrage „Wie viel?“ und die Antwort „Mehr!“ lautet, dann trägt Geld ganz sicher nicht zu einem sinnerfüllten Leben bei.
Geld ist erstmal wertneutral. Das heißt, es kann als Vehikel genau das voranbringen, wofür Sie es einsetzen. Sei es, geliebte Menschen bei der persönlichen Entwicklung zu unterstützen, soziale und gesellschaftliche Projekte zu fördern oder Ihnen den Spielraum zu verschaffen, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren.
Am Ende machen Sinnfindung und gelungene soziale Beziehungen den Kern eines gelungenen Lebens aus. Da ist sich die Glücksforschung ziemlich sicher. Wenn Geld dabei helfen kann, dann macht Geld tatsächlich glücklich.
Liebe Grüße
Nikolaus Braun
P. S.: Hier teile ich mit Ihnen drei meiner Lieblingsbeiträge zu Geld und zur Frage nach Glück und einem guten Leben. Und nochmal die Einladung: Schreiben Sie bitte ein paar Zeilen an nachdenken@neunundvierzig.com mit Ihren Gedanken zum Buch.
- Wenn Geld nicht glücklich macht ... dann geben Sie es vermutlich nicht richtig aus!
- Es ist eine besonders glückstiftende Art des Ausgebens, Geld zu verschenken. Lesen Sie dazu einige Beispiele.
- Über Geld reden funktioniert besser, wenn wir konkrete Fragen zum Thema Geld haben. Dabei gibt es gute und schlechte Fragen – manche sehr offensichtlich, andere eher subtil.