von Stefan Heringer
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor zwei Wochen habe ich Ihnen ein Risiko vorgestellt, das viele erst bemerken, wenn es bereits Wirkung zeigt: Das Reihenfolgenrisiko. Es entscheidet darüber, ob ein Vermögen im Ruhestand trägt oder gefährlich schrumpft – nicht wegen niedrigerer Renditen, sondern wegen des Zeitpunkts der niedrigeren Renditen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie schützen Sie sich, wenn die Märkte nun einmal tun, was sie wollen?
Zur Veranschaulichung dieses Risikos finden Sie in der Grafik ein Beispiel mit realen Kapitalmarktzahlen. Wir haben dazu die jährlichen Renditen des MSCI World von 2000 bis 2016 herangezogen und in der zweiten Rechnung die Renditen in umgekehrter Reihenfolge laufen lassen. Auf Steuern bei der Entnahme haben wir zur Vereinfachung verzichtet.

Trotz identischer jährlicher Renditen führen unterschiedliche Renditereihenfolgen bei einer Anlagesumme von 2 Mio. € über 17 Jahre zu erheblichen Vermögensunterschieden von über 1,6 Mio. €. Sollte die Grafik aus technischen Gründen nicht angezeigt werden, rufen Sie bitte den Beitrag über unseren hier verlinkten Blog auf.
Ein Sicherheitspuffer entscheidet über Jahrzehnte
Die ersten Ruhestandsjahre sind kritischer als die meisten ahnen. Wer unvorbereitet in eine Schwächephase startet, ist gezwungen, Anteile zu ungünstigen Kursen zu verkaufen und zerstört damit unwiederbringlich einen Teil seiner späteren Ertragsbasis.
Genau hier wirkt ein gut dimensionierter Liquiditätspuffer wie ein Schutzschild. Er verhindert, dass schwache Marktphasen sofort ins Depot durchschlagen. Kurzlaufende Anleihen höchster Bonität oder solide verzinste Tages- und Festgelder innerhalb der Einlagensicherung sind hier völlig ausreichend. Nicht die Rendite zählt, sondern die Stabilität und Flexibilität, die dieser Puffer in die Gesamtstrategie bringt. Er verschafft Zeit – und Zeit ist im Ruhestand oft die wertvollste Währung.
Ebenso entscheidend ist eine passende Depotstruktur. Eine solide Asset-Allokation, die risikoarme Bausteine mit einem global diversifizierten Aktienanteil verbindet, reagiert in turbulenten Marktphasen deutlich robuster. Die wenigsten Menschen vertragen in der Entnahmephase ein zu dynamisches Portfolio. Schwankungen wirken plötzlich näher, schärfer und bedrohlicher. Sie haben weniger Zeit, sie auszusitzen – und können entstandene Lücken nicht mehr durch Einkommen schließen.
Es sind also nicht die spektakulären Renditen, die einen Ruhestand tragen, sondern ein Fundament, das Schwankungen absorbiert, ohne jeden Rücksetzer zur existenziellen Frage zu machen. Wer mit einer vernünftigen Mischung startet, sorgt dafür, dass selbst heftigere Marktphasen kein unmittelbares Bedrohungspotenzial entfalten.
Warum ein guter Honorarberater die kritischen Jahre besser absichert als jede Prognose
Gerade an dieser Schnittstelle zwischen Arbeitsleben und Ruhestand zeigt sich, wie wertvoll ein guter Honorarberater tatsächlich ist. Er schützt nicht vor der Volatilität des Marktes – er schützt vor den Fehlern, die Menschen in dieser Volatilität machen. Ein erfahrener Berater denkt nicht in Jahresrenditen, sondern in langfristigen Lebensverläufen seiner Mandanten. Er plant nicht auf Basis glatter Durchschnittswerte, sondern auf Basis realer Marktverläufe, inklusive längerer Durststrecken.
Er sorgt dafür, dass der Sicherheitspuffer groß genug ist, um mehrere ungünstige Marktjahre auszuhalten. Er achtet darauf, dass das Depot nicht auf Modethemen baut, sondern auf möglichst hohe Stabilität und weltweite Diversifikation. Und vor allem hilft er seinen Mandanten, die emotionale Ruhe zu bewahren, die sie genau dann brauchen, wenn die Märkte unruhig werden.
Viele Menschen unterschätzen, wie ungewohnt es ist, plötzlich nicht mehr aus dem Einkommen, sondern aus dem eigenen Vermögen zu leben. Ein guter Berater begleitet Sie nicht nur finanziell, sondern psychologisch – und genau das verhindert zahlreiche Fehlentscheidungen, die sonst ein Vermögen gefährden können. Mit einem klug bemessenen Sicherheitspuffer, einer robusten Depotstruktur und einem Berater, der die kritischen ersten Jahre versteht, lässt sich dieses Risiko weitgehend neutralisieren.
Und genau dann entsteht das, was sich Menschen am meisten wünschen: Der Peace of Mind – die Ruhe, innere Stabilität und ein Vermögen, das zuverlässig durch das restliche Leben trägt.
Alles Liebe
Stefan Heringer
P.S.: Ich freue mich auf Rückmeldungen unter: nachdenken@neunundvierzig.com
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31/01/2026


