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Vermögensübertrag III: Warum Immobilien oft ein guter Einstieg sind
Sehr geehrte Damen und Herren,
Nachdem wir in den ersten beiden Teilen unserer Reihe vor allem die psychologischen Herausforderungen und notwendigen Fragen im Vorfeld eines Vermögensübertrags beleuchtet haben, möchten wir uns nun der konkreten Umsetzung widmen und damit der Frage, was für Sie beim Vermögensübertrag sinnvoll sein kann. Neben dem richtigen Zeitpunkt stellt sich auch die Frage, welche Vermögenswerte sich überhaupt für eine Weitergabe eignen und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind.
Denn auch beim Vermögensübertrag gilt: Nicht jede Asset-Klasse wirkt gleich. Gerade Immobilien eignen sich sehr gut, wenn Sie einen schrittweisen und verantwortungsvollen Übergang gestalten möchten.
Immobilien als Einstieg: Konkrete Entscheidungen und langfristiges Denken
Eine Immobilie ist greifbar. Sie ist kein abstrakter Depotstand, sondern mit konkreten Entscheidungen verbunden: Instandhaltung, Finanzierung, Mieter oder laufende Erträge. Dadurch entwickelt sich häufig automatisch ein langfristigerer und verantwortungsvollerer Umgang mit Vermögen.
Immobilien reduzieren zudem zwei typische Probleme größerer Vermögensüberträge: Unsicherheit und impulsive Fehlentscheidungen.
Während größere liquide Vermögen schnell konsumiert, umgeschichtet oder emotional fehlgesteuert werden können, fördern Immobilien meist Stabilität und langfristiges Denken. Überspitzt formuliert führen Immobilien zu weniger Angst – und zu weniger Unsinn.
Zudem lässt sich Verantwortung schrittweise übertragen. Kinder können frühzeitig eingebunden werden, ohne sofort die vollständige Kontrolle übernehmen zu müssen, etwa bei Verwaltungsfragen, Sanierungen oder wirtschaftlichen Entscheidungen.
Nießbrauch: Verantwortung übertragen, ohne vollständig loszulassen
Ein häufig sinnvoller Baustein ist dabei der sogenannte Nießbrauch. Er ermöglicht es, Immobilien bereits auf die nächste Generation zu übertragen, während die laufenden Erträge zunächst weiterhin den Eltern zufließen. So entsteht kein abrupter Übergang, sondern ein gleitender Prozess.
Das hat mehrere Vorteile: Die ältere Generation behält wirtschaftliche Sicherheit und einen gewissen Einfluss, während die nächste Generation bereits Verantwortung übernehmen und Erfahrungen sammeln kann. Gleichzeitig lassen sich steuerliche Freibeträge sinnvoll nutzen. Für viele vermögende Familien ist das oft ein sinnvoller Mittelweg, um frühzeitig zu gestalten, ohne vollständig loslassen zu müssen.
Die Grenzen von Immobilien beim Vermögensübertrag
Natürlich sind auch Immobilien kein Selbstläufer. Das sogenannte Betongold bietet keineswegs nur Vorteile: Sie sind weniger flexibel, verwaltungsintensiv und bergen häufig Klumpenrisiken. Dennoch erleben wir in der Praxis häufig, dass sie innerhalb von Familien stabilisierend wirken.
Ein möglicher Nachteil sollte dabei allerdings nicht unterschätzt werden: Besonders bei Immobilienübertragungen mit Nießbrauch lassen sich steuerliche Freibeträge zwar großzügig nutzen und die Kinder schrittweise an Verantwortung heranführen. Da die laufenden Erträge den Eltern zufließen, bleibt der tatsächliche finanzielle Effekt für die Beschenkten oft über viele Jahre bei nahe Null. Die Immobilie gehört ihnen zwar formal bereits, hat aber zunächst keinen Einfluss auf den eigenen Cashflow oder die persönliche Lebensplanung.
Auch das kann sinnvoll sein, etwa um Überforderung zu vermeiden. Sie sollten sich jedoch bewusst machen: Eigentum und wirtschaftliche Freiheit fallen zeitlich oft deutlich auseinander.
Ganz anders verhält es sich, wenn liquides Vermögen übertragen wird. Welche Freiräume und Risiken damit verbunden sind, betrachten wir im nächsten Teil der Reihe.
Alles Liebe
Stefan Heringer
P.S.: Ich freue mich auf Rückmeldungen unter: nachdenken@neunundvierzig.com
Die beiden bisherigen Beiträge zum Vermögensübertrag:
- Vermögen kann zur Herausforderung werden, da es Selbstwahrnehmung und Motivation maßgeblich beeinflusst.
- Daher sollten Sie sich vor einem Vermögensübertrag Fragen stellen, die weniger die finanzielle als die emotionale Ebene betreffen.